BiP Logo



Passantenbefragungen mit dem "roten Sofa" in Lemgo und Leipzig



Projektinformation

ExWoSt-Studie "Nahversorgung und Nahmobilität - Gute Beispiele integrierter Erschließungskonzepte"


Auftraggeber: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

Auftragnehmer: BiP Berlin in Kooperation mit Dr. Joachim Scheiner

BearbeiterInnen: Uta Bauer , Julia Jarass, Susann Liepe (BiP Berlin)
Dr. Joachim Scheiner

Bearbeitungszeitraum: November 2009 bis Oktober 2011

Aufgabenstellung:
Konzentrationsprozesse im Einzelhandel haben die Einkaufsmobilität in den letzten Jahren stark verändert. Statt zu Fuß oder mit dem Fahrrad fahren immer mehr Menschen mit dem Auto zum Lebensmitteleinkauf. Damit entstehen typische Wechselwirkungen zwischen einer wünschenswerten wohnungsnahen Versorgung und der Mobilität. Je mehr Haushalte in große Einkaufszentren fahren, desto problematischer wird die Rentabilität kleinerer Versorgungseinrichtungen in fußläufiger Nähe. In der Folge dünnt sich das Angebot aus und zwingt zur Pkw-Nutzung. Bestimmte Bevölkerungsgruppen wie z.B. ältere Menschen oder Menschen ohne Pkw können sich immer schlechter selber versorgen.
Aufgabe ist es integrierte Konzepte zu erarbeiten. So sollen durch verbesserte Angebote für die Nahmobilität die Nahversorgung gestärkt und umgekehrt durch qualifizierte Nahversorgungsangebote die Rahmenbedingungen für die Nahmobilitïät verbessert werden.

Bearbeitungsmethodik:
  • Auswertung standardisierter Verkehrsdaten zum Mobilitätsverhalten bei Einkaufswegen (MiD 2008, StadtLeben)
  • Recherche und Auswertung von "Guten Beispielen"
  • Ableitung von fördernden oder hemmenden Faktoren
  • Praxistest in Modellkommunen in Form von Planspielen
  • Handlungsempfehlungen für Bund, Länder und Kommunen
  • Dokumentation der Ergebnisse

Ergebnisse:
Durch gute Nahversorgung Verkehr sparen
Der Einkaufsverkehr bildet mit rund 30% der unternommenen Wege und 17% der zurückgelegten Distanzen einen wichtigen Bestandteil der Alltagsmobilität. Von einer guten Ausstattung im fußläufigen Bereich gehen erhebliche Effekte im Sinne einer Stärkung der nicht-motorisierten Fortbewegung, der Vermeidung von Pkw-Verkehr, der Verkürzung der zurückgelegten Distanzen und einer Erhöhung der Zufriedenheit der Bevölkerung im Quartier aus. Dies schließt auch Personen mit uneingeschränktem Zugang zum Pkw ein.
Wachstumsdynamik im Einkaufsverkehr ist gebremst

In den letzten Jahren hat sich die Dynamik im Wachstum des Einkaufsverkehrs deutlich abgeschwächt. Die mittlere Wegelänge der Einkaufswege nahm von 2002 bis 2008 nur um 3% zu. Auch die Verteilung auf die Verkehrsmittel blieb im Betrachtungszeitraum weitgehend konstant. Im Modal Split nahm der Anteil des Fahrrades geringfügig zu (ein Prozentpunkt).
Die Raum- und Siedlungsstruktur bestimmt das Einkaufs- und Mobilitätsverhalten

Der Einfluss der Siedlungsstruktur auf die Verkehrsmittelwahl, die zurückgelegten Wegelängen und den Verkehrsaufwand ist dominant. Mit abnehmender Gemeindegröße nimmt die Länge der Einkaufswege sowie die Nutzung des MIV signifikant zu.
Die Distanzschwellen für den Einkauf zu Fuß sind niedrig

Bis zu einer Wegelänge von 200 m werden rund 90% der Wege zu Fuß unternommen. Eine markante Distanzschwelle für das Gehen zu Fuß liegt bei Pkw-Besitzer/innen bei rund 400 m. Dies wird bis etwa 800 m teilweise vom Fahrrad aufgefangen. Ab 800 m nimmt der Anteil des MIV beim Einkauf stark zu.


Weitere Informationen:
BMVBS (Hrsg.): Nahversorgung und Nahmobilität: Verkehrsverhalten und Zufriedenheit. BMVBS-Online-Publikation 08/11, Mai 2011.

BMVBS / BBR (Hrsg.): Einkaufen ohne Auto – Nahversorgung und Nahmobilität in der Praxis. Werkstatt: Praxis Heft 76, Bonn 2011. Download

Bauer, Uta / Liepe, Susann / Scheiner, Joachim (2011): Zu Fuß und mit dem Fahrrad einkaufen – kommunale Handlungsstrategien. In: Bracher,Tilman / Haag, Martin / Holzapfel, Helmut / Kiepe, Folkert / Lehmbrock, Michael/ Reutter, Ulrike (Hrsg.): Handbuch der kommunalen Verkehrsplanung. Berlin: Wichmann.Kap. 2.4.3.2 (61. Ergänzungslieferung 8/11).

Bauer, Uta; Liepe, Susann; Scheiner, Joachim (2010): Nahmobilität beim Einkauf. Verkehrswege sparen durch gute Nahversorgung. In: PlanerIn, 4_10, S. 17-20

und beim BBSR
nächste Projektinformationzurück zur Projektauswahl